Der Bambusgarten

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Gastautorin:

Morrigan

Morrigan ist eine vielversprechende junge Nachwuchsautorin. Sie wohnt in Aachen 
und wurde 1983 geboren. Ihren Beruf gibt sie gern an mit: angehender Star :-) und ich glaube das gern. Ihre Hobbys sind lesen, schreiben, Musik, Kino und lachen. Morrigan liest alles außer Emanzenstorys, schreibt sie, am liebsten Historisches, und lustige Fantasy.


eMail: jellylorum_66@yahoo.de


 

Gedichte

 

Opernball

Ein Raum voller Menschen
übervoll und doch leer
verlebte Gesichter
maskenhaft und hart
Fluch der Eitelkeiten

Geld ersetzt Liebe
Neid erstickt Freundschaft
leere Augen
katzenhaft und hart
Fluch der Eitelkeiten

Make-up ersetzt die Seele
Seide verdeckt das Herz
tausende von Edelsteinen
glitzernd und hart
Fluch der Eitelkeiten

Reden und eigentlich schweigen
Lachen und weinen wollen
im Mund ein grausamer Zug
verkniffen und hart
Fluch der Eitelkeiten

Was bleibt vom Fest
wenn das letzte Licht erlischt?
Was bleibt von uns
wenn unsere Maske zum Gefängnis wird? 

 

 

Wasser

Wenn mein Herz
wäre wie ein Fluß
dann wäre deine Stimme
die Stromschnelle  

Wenn meine Augen
wären wie ein See
dann wäre dein Anblick
der Sand der ihn trübt  

Wenn meine Seele
wäre wie ein Meer
dann wärest du
der Fisch der darin lebt  

Wenn mein ganzes Sein
wäre wie ein Ozean
dann wärest du
der Sturm der ihn bewegt.

 

Diarmaid  

Vollmond umspülte Grenzen
Wirklichkeit und Traum
Warum sollten wir unterscheiden?
Warum sollten wir es wollen?  

Triff mich auf dem kahlen Gipfel
ein steinerner Thron für die Gebieterin der Sterne
Folge mir auf den Bernsteinpfaden
Wege der Mutter des Mondes  

Vollmond umspülte Grenzen
Raum und Zeit
Warum sollten wir verweilen?
Warum sollten wir es wollen?  

Streife mit mir durch die dunklen Wälder
Geschenke der Königin der Erde
Tauche mit mir in die silbernen Seen
Quellen der Herrin des Lebens  

Vollmond umspülte Grenzen
Liebe und Magie
Warum sollten wir sie trennen?
Warum sollten wir es wollen?  

 

Tagtraum

Meine Seele liegt in Scherben
mein Herz ist voller Tränen
manchmal will ich lieber sterben  

Worin liegt der Sinn der Welt?
Wohin lohnt es sich zu gehn?
Wenn sich jeder doch nur quält  

Ich ersticke in Gedanken und bin doch bei dir
Gedanken ohne Ziel und Sinn
warum bist du nicht hier?  

Unser Glück
wir beide gemeinsam
bis zum Himmel und zurück  

Unsere Welt war voller Frieden
wohin wir auch immer sahen
das allein durch unsere Liebe  

Herzen voller Hoffnung
Liebe überall
und nirgendwo ein Blick für Lügen  

Dein Platz ist wieder leer
ich bin erwacht aus meinem Traum
unsere Welt die ist nicht mehr  

Keine Freude, kein Licht mehr weit und breit
und in meiner Dummheit wünsch ich immer noch
ach, hätte, wäre, wenn, für die Ewigkeit

 

Lied des Raben 

Eine Tochter der Sonne bin ich 
die triumphierend thront 
von Welt zu Welt 
strahlend in meinen Augen 

Eine Tochter des Himmels bin ich 
der leuchtend sich erstreckt 
von Horizont zu Horizont 
erobert von meinen Schwingen 

Eine Tochter der Erde bin ich 
die blühend sich erstreckt 
von Ozean zu Ozean 
gestreift von meinen Blicken 

Eine Tochter des Wassers bin ich 
das begierig sich erneuert 
von Leben zu Leben 
fließend in meinen Adern 

Eine Tochter des Windes bin ich 
der lebt und tobt 
von Ewigkeit zu Ewigkeit 
geteilt durch meinen Körper 

Eine Tochter des Feuers bin ich 
das brennt in jedem Wesen 
von Generation zu Generation 
geboren in meine Seele 

Ich bin die Tochter des Mondes 
glänzende Königin der Nacht 
meine Zuflucht, meine Heimat 
die mir die Gewißheit der Schönheit schenkt

 

 

Geschichten

 

Worte sagen mehr . . .

Der Wecker klingelte jetzt schon eine geraume Weile und schließlich schaffte sie es sich herumzuwuchten  und nach dem Abschaltknopf zu tasten. Ihr Kopf machte Anstalten gen Decke zu entschwinden. Was hatte sie gestern Abend nur angestellt? Ach ja richtig! Gepflegtes Besäufnis mit ihren Freunden zur Feier ihres dritten Jahrestages.

„Herzlichen Glückwunsch!“ murmelte sie und hauchte einen Kuß auf sein Bild neben ihrem Bett.

Dann setzte sie sich versuchsweise auf, um zu sehen, ob das Zimmer vielleicht aufhören würde sich zu drehen, wenn sie es nur lange genug böse anstarrte. Mit einem verhaltenen Stöhnen strich sie sich die Haare aus der Stirn und warf dann noch einen Blick auf die Uhr, um zu sehen, ob sie diesmal die Zahlen würde erkennen können. Halb zwölf! Oh Jesus, der Postbote war sicher schon lange da gewesen! Ohne auf ihre Puddingknie zu achten, riß sie ihren Bademantel vom Kleiderhaken, fischte im Vorbeilaufen, den immer griffbereit liegenden Briefkastenschlüssel von der Kommode und huschte den Hausflur hinunter. Sollte die blöde Schnepfe von Nebenan doch denken, was sie wollte! Kaum hatte sie den kleinen Schlüssel herumgedreht, fiel ihr auch schon eine wahre Flut von Post entgegen, doch sie sah die Werbung, die Rechnungen und Urlaubspostkarten gar nicht, sondern hatte nur Augen für einen reichlich mitgenommenen DinA5 Umschlag, der mit einer recht alten Schreibmaschine mit abgebrochenem E beschriftet war. Vorsichtig und genußvoll öffnete sie das kleine Päckchen und zog zuallererst seinen Brief heraus. Sie wollte gar nicht wissen, was er ihr schenken würde, bevor sie nicht erfahren hatte, wann er nach Hause kam!

‘ Hallo mein kleiner Sonnenschein!

Na wie geht es bei euch? Lebt mein Kanarienvogel noch? Wenn nicht kauf bloß keinen neuen, das merke ich sofort! Wie ich dir schon am Telefon erzählt habe, hält sie Regenzeit hier weiter an und ich vermisse dich jeden Tag mehr! Unsere Arbeit hier kommt ganz gut voran, auch wenn einige Eingeborenen wirklich zu absonderliche Vorstellungen haben! Erst gestern kam ein unserer Jungen, und erzählte uns mit einer Unschuldsmiene, das eines unserer besten Mikroskope in einen Teich gefallen sei. Er meinte er hätte entweder seine Ziege, oder unsere Ausrüstung retten können, und erwartete noch, das wir stolz auf ihn sein sollten, wie er die Ziege gerettet hat, weil sie mehr Fleisch einbringt. Du siehst also wir haben es nicht leicht. . .

Aber da fällt mir ein, ich habe dir ja noch gar nicht zu unserem Jahrestag gratuliert! Aber ich habe dir ein kleines Geschenk besorgt und hoffe, das es dir gefällt. Wenn meine Berechnungen richtig sind, dann müßte dieser Brief dich etwa zur richtigen Zeit erreichen - du weißt ja, diese Mulis sind einfach unberechenbar!

Gestern ist ein ganzer Schwarm von bunten Papageien über unser Camp weggeflogen, und dabei mußte ich plötzlich an dich denken. An diesem Abend wollte ich dir ganz viel schreiben, habe mich dann aber doch nicht getraut. Es wäre nur Pornographisches dabei herausgekommen und, wie du schon bemerkt hast, möchte ich auch nicht wissen, wer unsere Briefe liest, bevor wir sie endlich bekommen!

Wie war eigentlich deine Jahrestagsparty? Gepflegtes Besäufnis, nehme ich an? Es tut mir so leid, das ich nicht bei euch sein konnte, aber spätestens in zwei Monaten komme ich nach Hause - versprochen diesmal und niemals gebrochen!

Ich denke an dich jeden Tag  und ich liebe dich! Immer!’

Mit einem seligen Seufzten ließ sie sich gegen die kalte, graugelbe Wand sinken und schloß die Augen. In zwei Monaten! Er dachte an sie und er liebte sie!

„Ich liebe dich auch, du dummer Träumer, du! Sogar immer, wenn du unbedingt willst!“ sagte sie laut, bevor sie ihren Morgenmantel zusammenraffte und die Treppe hinaufstieg. Sie brauchte jetzt erst einmal einen Kaffee!

 


Everything changes?

Das Telefon riß sie aus einer beschaulichen Sonntagnachmittagsruhe und verlange energisch und bestimmt das sie aufstand und den Hörer abnahm. Eine Aufforderung, der sie nur mit großem Bedauern nachkam.
„Ja hallo?“
„Hi Liebes, ich bin’s!“
„Oh Hi! Na wie geht’s dir?“
„Ganz toll, stell dir vor er kommt mich heute Nachmittag besuchen!“
„Er?“
„Na du weißt schon!“
„Ach er! Sag mal, seid ihr inzwischen nicht schon über zwei Monate auseinander?“
„Na und? Trotzdem kommt er mich besuchen! Ich kann es gar nicht abwarten! Was meinst du, was soll ich anziehen?“
„Ist das nicht egal? Wenn ich dir glauben darf, hattest du doch genug von seiner Kleinlichkeit. Dann mußt du ihm doch nicht gefallen, oder?“
„Ach du! Natürlich muß ich so gut aussehen, wie ich nur kann! Schon allein, damit er erkennt, was er alles aufgegeben hat!“
„Ähm du hast aber ihn doch verlassen, oder?“
„Na und? Hätte er sich mehr um mich bemüht, dann wäre es gar nicht erst dazu gekommen!“
„Und was versprichst du dir davon, das er heute zu dir kommt? Willst du wieder mit ihm zusammen kommen, oder was . . .?“
„Ach was, Quatsch! Ich bin doch im Moment viel zu glücklich mit meinem Singledasein! Aber ein bißchen ärgern, will ich ihn schon!“
„Und warum glaubst du, daß er sich ärgert, bloß weil du dich aufdonnerst?“
„Na weil er mich immer noch liebt, ist doch klar.“
„Klar. Wie konnte ich das nur vergessen? Und was wollt ihr tun?“
„Also, ich dachte an ein kleines Candle-Light Dinner und ein bißchen gedämpfte Musik . . .und dann . . . mal sehen.“
„Aber du bist sicher, das du nichts mehr von ihm willst?“
„Wer behauptet denn das? Natürlich will ich noch was von ihm!“
„Ja aber hast du nicht eben . . .“
„Ich will keine Beziehung mehr mit ihm . . . zumindest nicht gleich. Aber ein bißchen Sex ist doch völlig in Ordnung, oder nicht?“
„Na wenn du meinst. Also wenn’s darum geht, dann würde ich den roten Lackmini vorschlagen.“
„Ach du bist schon lustig! Dann wüßte er doch sofort was Sache ist!“
„Ach so, das soll er nicht wissen?“
„Natürlich nicht sofort! Er würde ja denken, daß ich auf ihn angewiesen bin und das bin ich schließlich nicht!“
„Ach so. Na dann. Das kleine Schwarze?“
„Genau was ich mir gedacht habe! Du bist wirklich genial!“
„Danke, gern geschehen.“
„Also ich muß mich jetzt beeilen! Ich muß ja noch unter die Dusche und mich anziehen und schminken! Du weißt ja, wie das ist! Ciao Bella!“
Damit wurde der Hörer wieder auf die Gabel geworfen und sie kehrte mit einem tiefen Seufzten zu ihrer gemütlichen Couch zurück.

„Weiber! Einfach nicht zu verstehen!“ dachte sie noch, bevor sie sich wieder ihrem Roman widmete.

 


Schneeweißchen und Rosenrot

„Guten Morgen! Hast du gut geschlafen?“
Eine weiche Hand schob sich unter ihren Nacken und sie lächelte verträumt.
„Mm wie könnte ich neben einer solchen Göttin wohl schlecht schlafen? Das wäre doch Blasphemie, denkst du nicht auch?“
Ihre Freundin reckte sich genüßlich und lachte befreit auf.
„Oh welch Kompliment am frühen Morgen! Darf ich es Euch wiedersagen, edle Nymphe?“
„Hm mir würde es im Moment schon helfen, wenn du mir sagen könntest, wo ich meinen BH hingeschmissen habe.“
„Vielleicht in der Glut der Ekstase aus dem Fenster? Komm, ich leihe dir einen von meinen.“
„Haha da passe ich zweimal rein! Außerdem trage ich keine rote Unterwäsche!“
Ihr Gegenüber beugte sich lachend zurück und zog ein schlichtes weißes Wäschestück unter dem Bett hervor.
„Ach sieh mal, das Weiß der Unschuld! Du kleine Pietistin! Da fang!“
Mit einem erschreckten Quietschen reckte sie sich nach der vorüberfliegenden Unterwäsche und konnte gerade noch verhindern, das sie aus dem Bett kugelte.
„Du solltest dich etwas mit dem Anziehen beeilen. Die erste Vorlesung ist um elf und wir müssen vorher noch was fürs Mittagessen einkaufen.“
Mit zerzauster Mähne und erstauntem Blick tauchte sie wieder aus den Decken auf, unter denen sie ihre Kleider vermutete.
„Ich dachte wir sind heute bei deinen Eltern zum Essen eingeladen?“
Das Gesicht ihrer Freundin war ein zerknirschtes Bild der Scham.
„Ach weißt du, ich habe gesagt wir kommen doch nicht.“
Sie stemmte energisch die Hände in die Hüften und ihr Blick wurde streng.
„Und warum nicht?“
Hilfloses Schulterzucken.
„Du weißt wie es ist! Ich wollte uns das ersparen! Immer diese Vorträge, ‘Wie wollt ihr jemals Kinder haben?’, ‘Habt ihr schon über eine Altersvorsorge nachgedacht?’, ‘Wie wollt ihr eure Geldangelegenheiten regeln? Wenn nun einer von euch was zustößt!“
Ihre Arme fielen herab und sie resignierte.
„Aber du kannst deinen Eltern nicht ewig aus dem Weg gehen, deswegen.“
Ein entschuldigendes Lächeln.
„Es ist ja nicht für immer. Nur für heute.“
Sie schüttelte stumm den Kopf. Dann straffte sie die Schultern und versuchte ihrer Stimme einen überzeugenden Klang zu geben.
„Außerdem haben sie recht! Ich finde es ist höchste Zeit, das wir über diese Dinge nachdenken. Wir sollten mal bei einem Anwalt einen Termin machen . . . und am besten noch bei deiner Bank.“
Ihre Freundin wich ihrem Blick aus.
„Muß das wirklich sein? Du weißt doch, diese ganzen Leute . . .?“
„Schämst du dich für mich?“
„Nein, das weißt du doch, aber . . .“
„Na also. Ich mache heute die Termine. Nun komm schon sein kein Frosch, man wird uns schon nicht gleich fressen!“
Zaghaftes Lächeln.
„Und was ist nun mit den Enkeln, die meine Mutter sich wünscht?“
„Hey es gibt doch auch Patrick Lindner. Und wenn es gar nicht anders geht, dann heirate ich dich eben!“
Sie duckte sich schnell, als ein Kissengeschoß über ihrem Kopf gegen die Wand flog.

 


Just married

Das Hämmern und Bohren hielt nun schon den ganzen Tag an und langsam begann sie sich zu fragen, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war vor dem Priester mit Ja zu antworten.
„Liebling gibst du mir mal den achtzehnter Schraubenschlüssel?“
Ergeben erhob sie sich von dem improvisierten Stuhl in ihrer improvisierten Küche und brachte ihrem wohl auch etwas improvisierten Heimwerkerkönig das verlangte Werkzeug, oder doch das was sie dafür hielt.
„Nein das ist der Sechzehner! Der Achtzehner muß irgendwo im Waschbecken liegen, oder vielleicht auch bei dem großen Blumentopf.“
Sie fand den gesuchten Gegenstand schließlich im großen Blumentopf unter einer Schicht Substral-Blumenerde. So hatte sie sich ihren Honigmond nun wirklich nicht vorgestellt! Schließlich ging von diesem Wort eine ungeheure Romantik aus. Der erste Monat einer Ehe . . . voller Liebe, Leidenschaft und glühenden Liebesschwüren! Ja denkste! Statt dessen gab es Baustellenidylle in den eigenen vier Wänden, ohne Kontakt zur Außenwelt und das einzige was überhaupt glühte war der Aufsatz des Akkubohrers.

Als sie mit ihrem Verlobten beschlossen hatte die Flitterwochen Zuhause zu verbringen, um ihre neue Wohnung einzurichten, da hatte das alles noch ganz anders ausgesehen. Sie erinnerte sich noch gut wie aufgeregt sie gewesen war, wenn sie sich Stoffmuster ansah, oder Möbel aussuchte. Nun immerhin hatte sie keinen Mann geheiratet, der jeden Pfennig dreimal umdrehte. Das Beste sollte gerade gut genug sein - nun ja zumindest so gut, wie eine bürgerliche Mittelkllasse-Eigentumswohnung nun einmal sein konnte. Aber die hatte schon damit gerechnet, das er zumindest in den ersten Tagen nur Augen für sie haben würde. Sie wollte bewundert werden, wollte spüren, das sie nicht ganz umsonst geheiratet hatte und das sich im Vergleich zu ihrem bisherigen Leben etwas grundlegendes geändert hatte. Aber OBI und IKEA machten ihr einen Strich durch die Rechnung. Ihr lieber Ehegatte war viel zu arbeitseifrig und zu ungeduldig, um sich mit so etwas nebensächlichem, wie Liebe abzugeben, wenn im Nebenzimmer seine Heimwerkerausrüstung darauf wartete aus der Plastikfolie ausgewickelt zu werden.

„Geh doch ein wenig zu den Nachbarn! Mach dich ein wenig mit ihnen bekannt!“ hatte er ihr vorgeschlagen, als sie sich über seine ständige Arbeit und Lärmbelästigung beschwert hatte. Ausgerechnet! Dabei hatte sie darauf gehofft den Nachbarn in den ersten Wochen ihrer Ehe überhaupt nicht zu begegnen, weil seine feurige Leidenschaft sie gar nicht dazu kommen lassen würde, die Wohnung zu verlassen. Und wenn sie überhaupt etwas mit den Nachbarinnen zu tun haben wollte, dann sollten es gefälligst neidische Blicke sein, wenn sie nach einer Nacht voller lautstarkem, ungezügeltem Sex mit bescheuertem Grinsen an ihnen vorbeihumpelte, um neue Kondome einzukaufen, oder so etwas.
„Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!“ dachte sie ergeben und plante im Stillen eine riesige Schokoladenorgie.
„Liebling komm schnell, ich muß dir unbedingt etwas zeigen!“ rief sie ihr Göttergatte und stürzte auch schon persönlich ins Zimmer.
„Was’n los?“ murmelte sie gelangweilt, ließ sich aber doch mitziehen.
„Hier sie nur!“ rief er begeistert und zeigte auf die fertig gestrichenen weißen Wände des Schlafzimmers, die jetzt von unzähligen winzigen Deckenlämpchen angestrahlt wurden.
„Und?“
„Ich habe mir gerade gedacht, daß ich ein riesiges Porträt von dir malen lasse und das hängen wir dann genau über das Bett! Wenn dann nämlich hier der große Spiegelschrank steht, dann kann ich dich immer ansehen!“
Gerührt und überrascht bot sie ihre zitternden Lippen seinem fordernden Mund dar. Es war doch kein Fehler gewesen Ja zu sagen!

Und hier der Anfang einer Fantasy-Geschichte

 

Die Prüfung

Ächzend und fluchend schob sich eine Gestalt immer weiter durch das unwegsame Gestrüpp der Norga Wälder. Norga das hieß in der Sprache des dunklen Volkes soviel wie finster, feindlich. Mockra zweifelte nicht daran, daß dieser Name zutreffend war.

„Ach verschwinde!“ herrschte sie eine wilde Hirschkuh an, die gemächlich ihren Weg kreuzte.

Unter anderen Bedingungen hätte es sie gefreut hier einem Wesen des Lichtvolkes zu begegnen, denn es bedeutete, das sich zumindest vorerst keine Dämonen in ihrer Nähe befanden. Andererseits knurrte ihr Magen und doch durfte sie während der fünf Tage ihrer Prüfung kein Fleisch reißen. Die Hirschkuh hielt ihr nur vor Augen, was sie sich entgehen ließ, und ihre Laune besserte sich dadurch nicht gerade. Mißmutig richtete sie ihren Blick wieder auf die beinahe lebendig anmutenden Dornenranken. Anscheinend war dieses dornenbewehrte Gestrüpp das einzige, was in der Dunkelheit des Schattenreiches gedeihen konnte.
„Sogar die Pflanzen in dieser Gegend sind böse und hinterlistig!“, dachte Mockra verdrießlich und zog sich einen giftigen Stachel aus der schuppigen Haut, „Aber nicht mir mir!“

Auf einer kleinen Lichtung inmitten des finsteren Gebüschs blieb sie stehen und sah sich unschlüssig um. Sie mußte fünf Tage in dieser Wildnis verbringen, doch wohin sollte sie sich wenden? Zwar sollte sie ihre Fähigkeiten unter beweis stellen, doch sie hatte auch keine Lust nur aus verfehltem Heldenmut, oder schlichter Leichtsinnigkeit die Konfrontation mit den Wesen des dunklen Volkes zu suchen, die in dieser Region das Grenzgebiet unsicher machten. Diese Kreaturen waren sogar im Reich der Dämonen Ausgestoßene und selbst ihre Artgenossen konnten von ihnen keine Gnade erwarten. Dies galt daher erst recht, wenn man dem Lichtvolk angehörte, das die dunklen Wesen von jeher beneideten und haßten. Ein herausgeforderter Kampf mit ihnen kam einem Selbstmord gleich. Es gab einige Heißsporne in ihrem Stamm, die nur auf diese Gelegenheit gewartet hatten, doch sie alle waren von ihrer Prüfung nicht zurückgekehrt . . . und Mockra wußte, daß ihre Familie, die in sicher Entfernung von der Grenze auf sie wartete nicht nur auf ein Freudenfest zu ihrer Rückkehr vorbereitet war, sondern auch auf eine Trauerfeier, sollte sie nicht überleben. Drei Tage würden sie über ihre fünftägige Prüfung hinaus warten, dann würden die Weisen den Sterberitus vollziehen und ihre Familie würde sich abwenden, denn ihr Volk verachtete Schwäche.

Doch Mockra war fest entschlossen keine Schande über ihre Familie zu bringen. Schließlich wandte sie sich nach Süden, die Richtung aus der die Hirschkuh gekommen war. Jeder Ort im Schattenreich barg Gefahren, warum sollte sie also diesen kleinen Fingerzeig außer acht lassen? Letztlich würde sie sich dem dunklen Volk doch stellen müssen und sie hoffte nur, daß es nicht allzu viele sein würden. Mit zehn, zwanzig Dämonen konnte sie leicht fertig werden, doch sie hatte gehört, daß es auch Gruppen gab, die mehrere Hundertschaften zählten . . .

Doch zunächst einmal mußte sie Nahrung suchen. Nachdenklich betrachtete sie die faustgroßen, schwarzen Beeren, die beinahe unerreichbar zwischen den langen Dornen reiften. Dann entschied sie sich jedoch dagegen. Man konnte schließlich nicht wissen, welche Tücken diese einladenden Früchte verbargen. Statt sich also an weichem Fruchtfleisch gütlich zu tun, grub sie nach einigen Wurzeln und brach einige Brocken weichen Sandstein aus einem nahegelegenen Felsen.

„Wurzeln und Steine!“, grummelte sie leise vor sich hin, als sie sich nach einem geeigneten Lagerplatz umsah und sich dann schwer auf einen größeren Felsen fallen ließ, „Das ist kein Essen für eine Kriegerin!“

Nachdem sie ihr frugales Mahl beendet hatte, schulterte sie seufzend ihren schweren Wurfspeer und wanderte weiter durch die schwarzen Ranken. Ob es inzwischen wohl schon Abend war? Oder noch nicht einmal Nachmittag? Sie verlor zusehends das Zeitgefühl. Beunruhigt sah sie sich nach dem bleichen Mond des Schattenreiches um. Schließlich entdeckte sie ihn weit im Osten, nur knapp über den morschen Ästen der kärglichen Baumleichen, die ihr Blickfeld begrenzten. Die älteste Weise, Borka, hatte ihr verraten, daß der Mond auf der dunklen Seite etwa zur Mittagszeit sank und erst spät in der Nacht wieder aufging. Also war es schon Nacht? Ärgerlich blähte sie die Nüstern und ließ zischend die Luft entweichen. Die Zeit zu vergessen, war beinahe so leichtsinnig, wie unnötige Kämpfe! Wenn sie die Orientierung verlor und nicht rechtzeitig zurückfand . . . dann konnte sie genauso gut sterben! Sie blieb einen Moment stehen und vollzog gründlich ihren bisherigen Weg nach, um sich eine innere Landkarte anzulegen. Sie hatte sich noch nie verirrt und auch keine Lust jetzt damit anzufangen! Während sie noch den Lauf des Mondes verfolgte, bemerkte sie ganz in der Nähe einen leidlich hohen Baum, der nicht so verrottet aussah, wie alles andere um sie herum. Vielleicht könnte sie in den oberen Ästen ein Nachtlager aufschlagen?

Entschlossen stapfte sie weiter durch das elende Dickicht, bis sie genau unter dem ausladenden Geäst stand. Mit ihrem Speer stieß sie mehrere Male so fest sie konnte gegen den Stamm und die tiefer liegenden Äste und stellte zufrieden fest, daß beide diesen Attacken standhielten. Sie wagte nicht ihre Schwingen zu entfalten, da sie fürchtete sie an den Dornenranken zu verletzen, die auch diesen Baum fest in ihrem Würgegriff hielten und so nahm sie ihren Speer zwischen die Zähne und grub die Krallen ihrer Hände tief in das steinharte Holz. Der Aufstieg an sich war leicht zu bewerkstelligen, sich einen Schlafplatz zwischen all diesem Gestrüpp einzurichten dagegen schon fast Schwerstarbeit. Doch schließlich hatte sie sich eine Astgabel freigelegt und ließ sich mit einem erschöpften Knurren darauf nieder. Den Speer griffbereit und alle anderen Sinne aufs äußerste geschärft, schloß sie die Augen und war bald darauf eingeschlafen, ohne auch nur die kleinste Faser ihres muskulösen Körpers zu entspannen.

 

Die weiteren Tage ihrer Prüfung gingen beinahe ereignislos dahin, so das sich Mockra ernstlich zu fragen begann, was sie den Weisen berichten wollte, wenn sie die dunkle Seite wieder verließ. Natürlich gab es auch Feiglinge unter den Kriegerinnen ihres Stammes, die sich die ganzen fünf Tage in der Krone eines Baumes aufhielten und später wilde Geschichten über ihre Abenteuer ersannen, doch solcherlei war unter Mockras Würde. Andererseits wäre es auch beschämend, gestehen zu müssen, daß sie nicht einen einzigen Kampf bestritten hatte, sah man einmal von der winzigen Auseinandersetzung mit zwei Trollen ab. Doch diese buckligen Zwerge mit den krummen Beinen und den warzenübersähten Gesichtern waren ebenfalls unter ihrer Würde!

„Es hilft nichts!“, dachte Mockra niedergeschlagen, „Ich muß zurück und es wäre töricht noch länger zu bleiben, nur um auf einen vielleicht gefährlichen Kampf zu hoffen. Am Ende würde ich verletzt und schaffte es nicht mehr rechtzeitig und damit wäre niemandem geholfen!“

Also schulterte sie wieder ihren schweren, unbenutzten Speer und machte sich trübsinnig auf in Richtung Westen, zurück zu Sonne, Wärme und gutem Essen!

Doch sie war noch keine hundert Schritte weit gekommen, als sie ein leises Geräusch aufhorchen ließ. Der Wind, der beständig von den Kaska Bergen herunterwehte, auf denen Eis und Schnee das Schloß des Dämonenkönigs verbargen, hatte sich etwas gedreht und trug ihr aus der Ferne das tiefe Gemurmel mehrerer Stimmen zu. Ihr Herzschlag beschleunigte sich und ihre Nasenflügel bebten, als sie versuchte eine Witterung der Wesen aufzunehmen, die sich etwa fünfhundert Fuß von ihr entfernt unterhielten.

„Dämonen!“ flüsterte sie kampfeslustig.

„Es ist nicht vernünftig deine Rückkehr zu verschieben!“ flüsterte ihr Verstand, „Du weißt nicht einmal wie viele es sind!“

Doch das Blut, daß murmelnd durch ihre Muskeln floß und in ihren Ohren rauschte, flüsterte ihr etwas Anderes zu.

Vielleicht hätte ihre Vernunft dennoch den Sieg davongetragen, hätte sie den Schrei nicht gehört. Doch sie mußte ihn hören, denn ihre Sinne waren so scharf, wie gebeizter Stahl. Es war der verzweifelte Schrei einer Menschenfrau und er hing lange und unheilsschwer in der dumpfen Luft. Ohne daß sie es wahrnahm begannen ihre Beine zu laufen, katapultierten sie auf dem unwegsamen Gelände vorwärts. Schließlich breitete sie, taub für Befürchtungen und Ängste, ihre Schwingen aus und genoß die wirbelnden Luftströme, die über und unter den ledrigen Häuten hinflossen. Wie ein riesiger Vogel schwebte sie über der Lichtung, auf der sich die Dämonen um ein winziges Lagerfeuer versammelt hatten.

„Es sind nur fünf!“ dachte ihre Vernunft und ließ ihrem Kampfeswillen erleichtert und siegesgewiß alle Zügel schießen.

Die Menschenfrau lag zusammen gekrümmt am Rande der Lichtung und wimmerte. Ihr ehemals weißes Kleid war zerfetzt und blutverschmiert, die gelben Flechten auf ihrem Kopf und die weiße Haut schimmerten schwach im Glanz des Feuers.

„Das wird ein Abenteuer!“ jubelte Mockra im Stillen, als sie pfeilschnell auf die Lichtung herabschoß und erst im letzten Moment ihren Körper abfing. In einer riesigen Staubwolke landete sie vor den erstaunten und - sie sah es mit Genugtuung - erschreckten Gesichtern der dunklen Wesenheiten.

Es mußte sich ein See in der Nähe befinden, denn sie bemerkte zwei Wassergeister unter den Schreckgestalten, die sich nur langsam aufrappeln konnten. Ihre schuppige Haut glich der ihren, war aber bläulich, statt braun und nach ihren Erfahrungen weit weniger widerstandsfähig und aus den grünen Algen, die ihren Kopf bedeckten rann traniges Wasser. Ihre drei Gefährten waren seltsame Mischwesen, eine beträchtliche Ansammlung häßlicher Fratzen und abstoßender Gliedmaßen, Tentakel und Flügeln.

„Sieh an, eine Drachenkriegerin!“, ließ sich der größere Wassergeist vernehmen, offenbar der Anführer der Gruppe, „Was führt ein häßliches Reptil, wie dich an einen solchen Ort?“

Seine hämische Stimme ließ das Feuer in ihrer Lunge aufsteigen, doch sie wollte diese ungewöhnliche Zusammenkunft genießen und so hielt sie ihren brennenden Atmen zurück und entblößte statt dessen ihre rasiermesserscharfen Reißzähne.

„Was sollte es einen armseligen Fisch kümmern, der es nicht einmal versteht ein Lagerfeuer zu verbergen und seine Gefangenen ruhigzustellen?“

Sie legte bedächtig ihre Schwingen auf ihrem Rücken zusammen und ließ einen grimmigen Blick über die Dämonen schweifen, die zufriedenstellend verängstigt waren. Ihr Speer funkelte im Feuerschein und die Knochenstacheln auf ihren Rücken und ihrem anmutig gebogenen Schwanz stellen sich bedrohlich auf. Sie sah das flackern von Furcht in den Augen des Wassergeistes und doch war er zu sehr erzürnt über ihre Herablassung, um ihr nicht zu antworten.

„Sieh dich vor du elender Wurm! Wir sind Abgesandte des großen Königs Bahmat! Wenn du dich uns in den Weg stellst, wird er dich zermalmen!“

Wie um seine Worte zu verstärken, trat er mit seinen Flossenfüßen das Feuer aus, doch ihr spöttisches Lächeln konnte er dadurch nicht vertreiben. Sie brauche kein Licht, um ihn genau ausmachen zu können, das würde er noch früh genug bemerken. Doch zuerst wollte sie mehr über diese seltsame Gesandtschaft erfahren. Warum hatten sie diese Menschenfrau bei sich? Und warum waren sie auf dem weg zur Grenze, statt die Gefangene zu den Kaskahöhen zu bringen?

„Du, ein Bote des Königs? Ich dachte bisher euer König hätte zumindest für einen Dämonen einen Funken Verstand, doch wenn er so unvorsichtige Versager wie euch mit einem Beutezug betraut, dann kann er nicht mehr Verstand haben, als eine Amöbe!“

„Das wirst du bereuen, du . . .“

Der triefende Wassergeist brachte diesen Satz nicht zuende, sondern stürzte sich mit gebleckten Fangzähnen auf sie, doch er war kein Gegner für ihre aufgestaute Kraft. Mit nur einem Schwung ihres Schwanzes schleuderte sie ihn quer über die Lichtung, bis ein morscher Baum seinen Flug bremste und über ihm zusammenbrach. Mockra lachte befreit auf, während sich die anderen Mitglieder der Gesandtschaft nun gleichzeitig auf sie stürzten.

Einen schlug sie nieder, dem anderen bohrte sie ihre Klauen in den Bauch, bis sie ein zufriedenstellendes Knirschen vernahm und dickflüssiges Blut ihre Hand netzte. Den anderen Wassergeist und ein kleines Insektenähnliches Wesen trieb sie vor sich her, bis sie es leid war, dann schickte sie ihnen eine glühende Feuerwoge nach, die sehr viel schneller war, als sie. Befriedigt und belustigt blickte sie sich um.

„Ah da bist du ja!“

Der Dämon, den sie lediglich niedergeschlagen hatte bemühte sich nach Leibeskräften zu fliehen, doch aus seinem Ohr floß Blut und es war abzusehen, das er seinen Freunden bald ins Jenseits folgen würde. Doch vorher . . .

„Wenn du mir erzählst, was eure Aufgabe war und warum ihr diesen Menschen bei euch habt, dann werde ich dich schnell töten. Wenn nicht, dann werde ich dir die Beine, oder was das da auch sein mag, brechen und dich für die Trolle zurücklassen!“

Sie sah, das ihre Worte Wirkung zeigten. Sogar die Dämonen fürchteten sich davor den Trollen hilflos ausgeliefert zu sein, denn jedermann wußte, daß es ihnen großes Vergnügen bereitete andere Wesen zu quälen und vor ihren Augen deren Eingeweide zu verspeisen. In den schwarzen Augen des Dämons spiegelten sich Resignation und Haß.

„Unsere Aufgabe hast du übernommen und du wirst die Konsequenzen tragen! Die Menschin ist die Gefangene unseres Königs und du wirst noch bereuen sie gerettet zu haben!“

„Er redet irre, diese miese Kreatur!“ dachte Mockra bei sich, „Niemals würde der König eine Gefangene entkommen lassen, geschweige denn ihr eine Eskorte bis zur Grenze mitzugeben! Und warum sollte ich bereuen sie gerettet zu haben? Der Machtbereich des Dämonenkönigs endet nur wenige hundert Schritt von hier! Man sollte keine hirnlosen Geschöpfe um Auskunft bitten!“

Ärgerlich wandte sie sich ab, hielt jedoch ihr Versprechen und zerschlug den Kopf des Wesens mit der harten Knochenspitze ihres Schwanzes. Sie hatte nie vorgehabt ihn zurück zulassen, es deckte sich nicht mit ihrer Ehre.

„Wären diese Dämonen nur ein klein wenig schlauer, dann hätten sie uns in der Hand, aber da sie keine ehrenhaften Taten kennen und da sie so dumm sind, werden sie ewig die Verlierer sein!“ überlegte sie, während sie über die verstreuten Leichen hinweg stieg, um sich den Zustand der Menschin einmal genauer anzusehen.

„Ein Schlag auf den Kopf!“ murmelte sie, als sie den bewußtlosen Körper herumdrehte.

Die Menschin war zierlich und schwach, kein Wunder also, wenn sie in die Hände der Dämonen gefallen war. Doch dann fiel Mockras Blick auf das kleine, goldene Messer an ihrem Gürtel und ihre bernsteinfarbenen Augen weiteten sich vor Erstaunen.

„Eine Priesterin!“ flüsterte sie mit neuem Respekt.

Alle Völker von Elysion achteten die Priester und Priesterinnen der Elemente, auch wenn ansonsten jeder Stamm seine eigenen Götter verehrte. Doch wann immer sich in einem Kind die Kraft zeigte die Elemente gefügig zu machen, brachte es große Ehre für seine Familie, wenn es in einen der Orden eintrat, dort die Kräfte seines Elementes, der Telepathie und der Telekinese beherrschen lernte und die höheren Weihen empfing.

„Ein weißes Kleid . . . eine Windbeschwörerin!“ kombinierte Mockra und freute sich noch mehr, daß sie sie gefunden hatte. Sie hatte eine Priesterin der Elemente gerettet und konnte zudem den Beweis für ihre Geschichte gleich mitbringen. Neugierig warf sie einen Blick auf die Unterseite des Messers. Aleia stand da in schön geschwungenen Buchstaben.

Dann betrachtete sie einen Moment sie schönen Züge der bewußtlosen Frau und dachte an die Entfernung, die ihr noch zu überbrücken blieb, bis sie sich wieder im Licht von Elysion und der Bewunderung ihrer Familie sonnen konnte. Seufzend schulterte sie ihren Speer und ihre menschliche Last und machte sich auf den Weg.

„Zumindest hast du dafür gesorgt, daß meine Prüfung wirklich erfolgreich war!“ sagte sie zu Aleia, war aber froh, daß sie ihr nicht antworten konnte, als sie sich ihren Rückweg durch den Dornenwald erkämpfte.

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